EUDR nach der Entlastung (07)
Shownotes
Die EUDR bringt Verlagen deutliche Entlastungen: Klassische Druckerzeugnisse wie Bücher und Zeitungen wurden aus dem Anwendungsbereich herausgenommen. Doch für Medienhäuser ist das Thema damit nicht vollständig erledigt.
Andrea und Carsten erklären, warum Papierherkunft, Lieferantenkommunikation und belastbare Nachweise weiterhin wichtig bleiben – und bei welchen Nonbook- und Sonderprodukten genauer hingeschaut werden sollte.
Die zentrale Botschaft: weniger Bürokratie, aber weiterhin verantwortungsvoll und strukturiert mit der Lieferkette umgehen.
LinkedIn-Profil von Carsten Schlumm https://www.linkedin.com/in/carsten-schlumm-6b1b3b1a2/
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00:00:02: Willkommen bei Nachhaltig gedruckt – Impulse aus der Medienproduktion.
00:00:07: Dem Podcast für alle, die Print neu denken wollen!
00:00:11: In diesem Podcast sind Carsten Schlumm und Andrea Weigert im Austausch zu aktuellen Themen, Trends und Praxistipps rund um die nachhaltige Medienproduktion Ein Thema ein Impuls Für mehr Verantwortung in der Medien-Produktion
00:00:37: dem Podcast für alle, die Print neu denken wollen.
00:00:41: In diesem Podcast sprechen Carsten Schlumm und ich über aktuelle Themen, Entwicklungen und Praxis-Tipps rund um die nachhaltige Medienproduktion – ein Thema, einen Impuls für mehr Verantwortung in der Medienproduktion.
00:00:54: Heute greifen wir ein Thema auf das viele Verlage und Medienhäuser in den letzten Monaten intensiv beschäftigt hat — Die EUDR also die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte.
00:01:07: Der Arbeitstitel unserer heutigen Folge lautet deshalb EUDR – Entwarnung für Bücher, aber nicht die Lieferkette.
00:01:15: Karsten, schön dass wir noch einmal auf dieses Thema schauen!
00:01:18: Ja sehr gerne denn aus meiner Sicht ist jetzt genau der richtige Moment für eine nüchterne Einordnung.
00:01:24: Viele haben die jüngsten Änderungen erst einmal als Entlastung wahrgenommen und das ist auch so nachvollziehbar.
00:01:32: Für klassische Druckerzeugnisse wie Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Bilderdrucke hat sich tatsächlich entscheidendes verändert.
00:01:40: Aber daraus sollte man nicht ableiten – das Thema ist für Verlage komplett erledigt!
00:01:46: Die bessere Überschrift wäre der unmittelbare regulatorische Druck ist geringer geworden aber Papierherkunft, Lieferantendokumentationen und Dokumentation bleiben wichtige Themen der nachhaltigen Medienproduktion
00:02:02: Ja, dann lass uns direkt mit der zentralen Frage starten.
00:02:06: Was ist bei der EUDR konkret passiert?
00:02:09: Die EU hat diese Verordnung Ende 2025 gezielt überarbeitet und die Anwendung noch einmal verschoben.
00:02:18: Nach Angaben der EU Kommission gelten die zentralen Pflichten jetzt für große und mittlere Marktteilnehmer ab dem dreißigsten Dezember zwei tausend sechsundzwanzig.
00:02:29: Für Kleinst- und kleinere Marktteilnehmer ist grundsätzlich der dreißigste Juni, 2027 vorgesehen.
00:02:36: Das ist schon mal eine ziemlich zeitliche Entlastung!
00:02:41: Der für unsere Branche entscheidende Punkt ist aber ein anderer – bestimmte gedruckte Produkte wurden aus dem Anwendungsbereich komplett herausgenommen.
00:02:51: Der Rat der Europäischen Union nennt ausdrücklich Bücher, Zeitungen, Zeitschriften als Beispiele für gedruckte Produkte, die aus dem Skop entfernt wurden.
00:03:04: Ja das klingt für Verlage zunächst nach einer sehr guten Nachricht.
00:03:07: Bedeutet das Bücher und Zeitschriften sind raus?
00:03:10: Der Börsenverein beschreibt dass der HS-Code EX-49 also Bücher, Zeitungen und Druckerzeugnisse aus Anhang eins gestrichen wurde.
00:03:20: Damit gelten klassische Druckerzeugnisse wie Bücher Zeitung und Bilddrucke nicht mehr als relevante Erzeugnisse im Sinne der EUDR.
00:03:29: Für Verlage, die solche Produkte in Verkehr bringen oder importieren, entfällt damit die direkte Rolle als Marktteilnehmer mit entsprechenden EU-DR-Sorgfaltspflichten für diese Produkte.
00:03:43: Also echte Entlastung aber noch keine komplette Entwarnung?
00:03:47: Genau!
00:03:48: Echte Entlassungen ja, aber keine komplete Entwarning für die gesamte Lieferkette.
00:03:54: Wenn klassische Druckerzeugnisse aus dem Anwendungsbereich herausgenommen wurden Warum sollten sich Medienproduktionsverantwortliche trotzdem weiter damit beschäftigen?
00:04:05: Weil wir in der Medienproduktion nicht nur auf das fertige Buch oder fertige Zeitschrift schauen.
00:04:11: Wir arbeiten mit Holzfaser basierenden Materialien, Papier, Karton, Verpackung, Etiketten, Beilagen, Non-Book Produkte, Kalender oder Schreibwaren können in unterschiedlichsten Konstellationen relevant bleiben. Und selbst dort, wo keine unmittelbare EUDR-Pflicht mehr besteht bleiben andere Anforderungen bestehen.
00:04:34: Zum Beispiel aus Kundenanfragen, Ausausschreibung, aus Nachhaltigkeitsberichten, aus internen ESG-Prozessen oder aus der eigenen Green Claims Kommunikation.
00:04:46: Das heißt also wir müssen zwischen rechtlich unmittelbar betroffen und fachlich weiterhin relevant unterscheiden?
00:04:54: Ja genau das ist der Punkt!
00:04:56: Rechtlich kann ein klassisches Druckerzeugnis entlastet sein.
00:05:00: Fachlich bleibt die Frage trotzdem wichtig, woher kommt unser Papier?
00:05:04: Wie gut kennen wir unsere Lieferanten?
00:05:06: Welche Nachweise liegen vor und können wir unseren Aussagen zur nachhaltigen Medienproduktion?
00:05:14: können wir die auch belegen?
00:05:16: Lass uns kurz beim Papier bleiben!
00:05:18: Wenn das fertige Druckerzeugnis entlastet ist warum bleibt Papier trotzdem ein so zentraler Punkt
00:05:25: Hierbei Papier, der zentrale Rohstoff der gedruckten Medienproduktion ist.
00:05:30: Die EUDR verfolgt grundsätzlich das Ziel Entwaldung und Waldschädigung im Zusammenhang mit bestimmten Rohstoffen und Produkten zu vermeiden.
00:05:39: Zu diesen Rohstoffe gehört auch Holz – und Papier basiert in der Regel auf Holzfasern oder auf Recyclingfasernen.
00:05:47: Deshalb bleibt die Frage nach der Faserherkunft wirklich fachlich relevant!
00:05:52: Auch wenn das fertige Buch nicht mehr unmittelbar unter Kapitel neunvierzig als relevantes EUDR-Produkt fällt, bleibt es für die nachhaltige Medienproduktion wichtig.
00:06:03: Welche Papierqualität setzen wir ein?
00:06:05: Stammt das Papier aus Recyclingfasern, Frischfaser oder Mischungen?
00:06:11: Welche Zertifizierung gibt's und welche Informationen können unsere Papierlieferanten Großhändler oder Druckereien breitstellen?
00:06:19: Und wie dokumentieren wir diese Information dann auch intern?
00:06:24: Das ist dann weniger eine Meldepflicht für jedes einzelne Buch, sondern quasi eher eine Frage der Materialstrategie.
00:06:32: Genau vor der Entlastung stand sehr stark die operative Frage im Raum Welche Referenznummer brauchen wir für unser Produkt?
00:06:39: Welche Sorgfalterklärung muss wohin?
00:06:42: welche Daten müssen über Traces laufen?
00:06:45: nach der Entlastung verschiebt sich der Fokus.
00:06:48: Jetzt geht es stärker um professionelle Beschaffung, Lieferantenqualität und Nachvollziehbarkeit.
00:06:54: Das ist weniger hektisch aber strategisch weiterhin sehr wichtig!
00:06:59: Ja und was heißt das konkret für die Kommunikation mit Druckereien und auch mit Papierlieferanten?
00:07:05: Aus meiner Sicht sollten Verlage die Kommunication nicht abbrechen sondern neu sortieren.
00:07:10: Die Frage ist nicht mehr nur welche EUDR Referenznummer liefert ihr uns für jedes Druckprodukt?
00:07:17: Die bessere Frage lautet, wie stellt ihr sicher das die eingesetzten Materialien sauber dokumentiert sind und alle relevanten Anforderungen erfüllt werden?
00:07:27: Dazu gehören ganz praktische Punkte.
00:07:30: Welche Papiere werden eingesetzt?
00:07:32: Welche Zertifikate liegen zu diesem Material vor?
00:07:36: Wie wird die Faserherkunft dazu dokumentiert?
00:07:39: Wie geht der Lieferant mit UDR relevanten Produkten um?
00:07:44: Welcher Informationen können bei Bedarf wirklich auch bereitgestellt Und wie werden Verpackungen und Kartonagen oder Etiketten bewertet?
00:07:53: Ja, das klingt nach einer dauerhaft besseren Differantenbasis ganz allgemein.
00:07:57: Und nicht nur nach der EUDR Abfrage!
00:08:01: Ja genau ich würde das nicht als reine Regulatorikübung sehen.
00:08:05: es geht um belastbare Lieferantenkommunikationen.
00:08:09: Wenn ein Verlag seine Papier- und Druckdienstleister gut kennt kann er schneller reagieren auf seine Kundenanfragen Auf Ausschreibung Auf Nachhaltigkeitsanforderungen, auf neue gesetzliche Entwicklungen und ja auch auf die eigenen Kommunikationsansprüche.
00:08:27: Brauchen Verlage denn überhaupt noch nachweise wenn klassische Bücher- und Zeitschriften nicht mehr unmittelbar betroffen sind?
00:08:34: Ja aber mit einem anderen Blick!
00:08:37: Nicht jeder Nachweis wird zwingend als EUDR Pflichtnachweis für jedes einzelne Druckerzeugnis gebraucht.
00:08:45: Aber Nachweise bleiben extrem wertvoll Zum Beispiel für Ausschreibung, für Nachhaltigkeitsberichte.
00:08:51: Für unsere internen Einkaufsentscheidungen.
00:08:55: Für Kundenanfragen.
00:08:57: Für Green Claims und das eigene Risikomanagement.
00:09:00: Ah ja da schließt sich der Kreis zu unserer Folge bei Green CLAIMS oder?
00:09:05: Ja ganz genau!
00:09:06: Wenn wir sagen Wir arbeiten mit verantwortungsvoll beschafften Papieren dann brauchen wir dafür eine Grundlage.
00:09:13: wenn wir sagen wir setzen zertifizierte Materialien ein Dann müssen wir wissen welches Zertifikat für welches Material gilt.
00:09:21: Und wenn wir über nachhaltige Medienproduktion sprechen, dann sollten wir nicht nur gute Absichten haben sondern auch belastbare Belege.
00:09:29: Nachweise sind also nicht nur Regulierung oder sie sind die Basis einer glaubwürdigen Kommunikation.
00:09:38: Kasten noch mal ganz konkret wo können Verlage trotz der Entlastung weiterhin in EUDR relevante Bereiche kommen?
00:09:46: Andrea, vor allem dort wo wir nicht mehr über das klassische Buch oder die klassische Zeitschrift sprechen.
00:09:52: Der Börsenverein weist an dieser Stelle auch darauf hin dass Pflichten bei anderen Produkten weiterhin bestehen können zum Beispiel bei Papiererzeugnissen ombinierten Nomenklatur.
00:10:07: dazu können etwa Notizbücher Schreibwaren oder bestimmte Non-Bookprodukte gehören.
00:10:16: Für Medienhäuser könnte das besonders relevant werden bei Notizbrüchern, Kalendern, irgendwelchen Schreibwaren, Papierbeilagen, Verpackungen, Versandmaterialien, Etiketten oder bei Merchandising-Artikeln.
00:10:31: Oder bei kombinierten Produktsets?
00:10:34: Ja, man darf nicht einfach sagen wir sind verlag also betrifft uns das nicht mehr
00:10:41: Genau.
00:10:42: die entscheidende Frage lautet nicht fühlt sich das nach Verlag an, sondern welche Zolltarifnummer hat das konkrete Produkt?
00:10:50: Welche Funktionen hat es und aus welchem Material besteht es.
00:10:54: Und fällt es dadurch möglicherweise doch in einen relevanten Bereich.
00:10:59: Gerade bei Sonderprodukten, Werbemitteln, Verpackungen oder Produktsets sollte man also wirklich genauer hinschauen.
00:11:08: Ja was sollte der Einkauf- oder die Medienproduktion denn jetzt ganz konkret tun?
00:11:13: Ich würde die EU-DR Entlastung nicht als Signal verstehen, Anforderungen zurückzufahren.
00:11:19: Ich würde sie eher als Chance sehen, die Anforderung pragmatisch zu schärfen und wir als Verlag können uns jetzt fragen ja welche Papierarten setzen wir regelmäßig ein?
00:11:31: Welche Lieferanten sind für uns wirklich strategisch wichtig?
00:11:34: Welchen Zertifikate erwarten wir standardmäßig?
00:11:37: Welcher Informationen zur Faserherkunft benötigen wir?
00:11:40: Welke Anforderen gehören auch in unserer Ausschreibung?
00:11:44: Und welche Dokumente sollten wir dann wirklich auch dauerhaft ablegen?
00:11:48: Also keine Maximalbürokratie, sondern einfach saubere Standards.
00:11:54: Genau!
00:11:55: Nicht jedes Produkt braucht eine eigene Akte mit maximaler Datenapparat.
00:11:59: aber die wichtigsten Materialentscheidungen sollten nachvollziehbar sein und das kann ganz praktisch aussehen Papierdatenblätter, Zertifikate, Lieferantenerklärung, Druckereibestätigung oder Rahmenverarbeitung und Ausschreibungsunterlagen.
00:12:17: Und interne Standards für Papier- und Druckdienstleister.
00:12:21: Wichtig ist die Verhältnismäßigkeit, nicht alles muss immer maximal detailliert sein aber die wesentlichen Entscheidungen sollten wirklich belegbar bleiben.
00:12:32: Ja Karsten wenn wir das jetzt zusammenfassen was ist deine wichtigste Botschaft für Medienproduktions verantwortlich in diesem Sinn?
00:12:40: Ja meine wichtigste Botschaft ist, die EUDR Entlastung ist erstmal eine gute Nachricht für uns Verlage.
00:12:47: Sie nimmt vor allem bei klassischen Druckerzeugnissen erheblichen operativen Druck heraus aber sie ist kein Grund die Lieferkette aus dem Blick zu verlieren.
00:12:57: Papier bleibt nach wie vor relevant Lieferantenkommunikation bleibt relevant und auch die Nachweise bleiben relevant Naja, und die Randprodukte wie Verpackungen, Etiketten, Nonbook-Produkte oder Schreibwaren können weiterhin genau geprüft werden.
00:13:16: Und ja sie müssen es sogar auch!
00:13:19: Karsten was wären jetzt abschließend deine drei Takeaways?
00:13:22: Ja erstens klassische Druckerzeugnisse sind wirklich deutlich entlastet.
00:13:27: das nimmt Druck aus der operativen Umsetzung.
00:13:32: Zweitens Die Lieferkette bleibt relevant vor allen Dingen bei Papier, Kartonverpackungen und Non-Book Produkten.
00:13:40: Und unseren Kundenanforderungen.
00:13:42: Und drittens wer jetzt pragmatische Dokumentationen und Einkaufsstandards aufbaut ist für Regulierung Ausschreibung und Nachhaltigkeitskommunikation auch besser vorbereitet.
00:13:56: oder kurz gesagt die EUDR ist für viele Bücher vielleicht nicht mehr die direkte Pflichtaufgabe aber Verantwortungsvolle Papierbeschaffung bleibt eine Kernaufgabe nachhaltiger Medienproduktion.
00:14:10: Casten, vielen Dank!
00:14:12: Das war unsere heutige Folge von Nachhaltig gedruckt - Impulse aus der Medienprodukion.
00:14:17: Wenn ihr in eurem Verlag oder Medienhaus gerade überlegt wie ihr mit der EUDR Papierherkunft und Lieferantenachweisen umgehen sollt dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt für eine pragmatische Bestandsaufnahme.
00:14:29: nicht hektisch aber strukturiert.
00:14:32: Wir freuen uns, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder dabei seid.
00:14:35: Bis
00:14:51: dahin!
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