Print on Demand (04)
Shownotes
Willkommen zu „Nachhaltig gedruckt – Impulse aus der Medienproduktion“.
Heute sprechen wir über ein Thema, das gerade viele Verlage beschäftigt: Print on Demand. Also Drucken genau dann, wenn ein Bedarf entsteht.
Klingt erstmal nach der perfekten Lösung – wirtschaftlich und nachhaltig. Aber ist es wirklich so einfach?
NWB Verlag https://www.nwb.de/unternehmen/ueber-uns
Print-on-Demand (POD) https://de.wikipedia.org/wiki/PrintonDemand
Nachhaltige Medienproduktion https://www.bvdm-online.de/themen/nachhaltigkeit/
Loseblattwerke https://de.wikipedia.org/wiki/Loseblattwerk
LinkedIn-Profil von Carsten Schlumm https://www.linkedin.com/in/carsten-schlumm-6b1b3b1a2/
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00:00:01:
00:00:02: Willkommen bei Nachhaltig gedruckt – Impulse aus der Medienproduktion.
00:00:08: Dem Podcast für alle, die Print neu denken wollen!
00:00:11: In diesem Podcast sind Carsten Schlumm und Andrea Weigert im Austausch zu aktuellen Themen, Trends- und Praxistipps rund um die nachhaltige Medienproduktion. Ein Thema ein Impuls Für mehr Verantwortung in der Medien Produktion.
00:00:31: Herzlich willkommen zum Nachhaltig gedruckt,
00:00:34: Impulse Aus der Medienproduktion.
00:00:36: Heute sprechen wir über ein Thema, das gerade viele Verlage beschäftigt.
00:00:40: Print on demand.
00:00:41: Also drucken genau dann wenn einen Bedarf entsteht.
00:00:44: Klingt erstmal nach der perfekten Lösung – wirtschaftlich und nachhaltig!
00:00:48: Aber ist es wirklich so einfach?
00:00:51: Ja genau.
00:00:52: Print on demand ist ein extrem spannendes Werkzeug aber eben kein Allheilmittel. Und genau darüber wollen wir heute sprechen.
00:01:00: Dann lass uns vielleicht einmal sauber einordnen Carsten, was verstehen wir im Verlagskontext eigentlich unter Print on demand?
00:01:08: Ja viele denken bei Print on demand sofort an einen Buch wird einzeln gedruckt.
00:01:12: Aber das ist eigentlich viel zu kurz gegriffen.
00:01:15: Im Kern geht es um eine bedarfsorientierte Produktion.
00:01:19: Also ich produziere nicht mehr auf Vorrat sondern dann wenn tatsächlich die Nachfrage für das Produkt da ist.
00:01:26: Das kann ein Einzelnes-Exemplar sein, aber genauso gut zwanzig, dreißig oder fünfzig Exemplare.
00:01:31: Genau, bei uns im Fachverlag ist das relevant und eine gute Möglichkeit zu steuern.
00:01:39: Das heißt, es geht weniger um die Stückzahl, sondern um die Logik, die dahintersteckt?
00:01:45: Ganz genau Andrea!
00:01:46: Es ist ein Paradigmenwechsel.
00:01:48: Weg von ich produziere und hoffe dass alles verkauft wird bis oder hinzu,
00:01:53: ich produziere wenn es verkauft wird.
00:01:56: Und warum bekommt das Thema jetzt im Moment gerade so viel Aufmerksamkeit?
00:02:01: Weil sich viele Dinge gleichzeitig verändern.
00:02:05: Die Auflagen sinken in vielen Bereichen, die Vielfalt steigt gerade im Fachverlagsbereich und die Lieferfähigkeit wird wichtiger als ein Lagerbestand.
00:02:15: Früher war das Ziel möglichst viel sofort verfügbar zu haben,
00:02:19: heute ist das Ziel dauerhaft verfügbar bleiben, ohne Kapital zu binden und genau da spielt Print on Demand seine echte Stärke aus.
00:02:28: Also ist es eher ein Verfügbarkeitsmodell als ein Produktionsmodell?
00:02:32: Sehr gut gesagt!
00:02:33: Genau das ist es.
00:02:35: Okay jetzt ist das Ganze ja sehr stark mit Nachhaltigkeit verknüpft.
00:02:39: Das ist auch unser Thema hier.
00:02:41: Ist Print on demand dann automatisch auch nachhaltiger?
00:02:45: Nein, das ist ein ganz wichtiger Punkt.
00:02:48: Print on demand ist nicht deshalb nachhaltig, weil wir digital drucken,
00:02:52: der größte Hebel liegt eigentlich woanders, in der Vermeidung von Überproduktion.
00:02:57: Wenn ich mehr als tausend exemplare Drucke und dreihundert oder fünfhundert am Ende vernichte oder verramsche, sondern wirklich nur das produziere was im Moment wirklich gebraucht wird, dann spare ich Papier, Energie,Transport, Lagerfläche. Dann spare ich in der Logistik und genau das ist der eigentliche Nachhaltigkeitseffekt bei diesem Thema.
00:03:20: Das heißt dann, die ökologische Wirkung entsteht eher im System als in der Maschine?
00:03:26: Ganz genau!
00:03:26: Die Maschine ist nur ein Teil und die Produktionsstrategie dahinter ist das Entscheidende.
00:03:32: Dann lass uns jetzt auch mal konkreter werden.
00:03:34: Wo macht Print on demand im Fachverlag aus deiner Sicht besonders Sinn?
00:03:38: Da gibt es mehrere klassische Einsatzfelder. Die Backlist, die sich regelmäßig aber nur in ganz kleinen Mengen verkaufen.
00:03:47: Früher war das oft ein Lagerproblem.
00:03:49: heute sind genau diese Bereiche ideal für Print on demand..
00:03:54: Der nächste Punkt wären die Loseblattwerke und deren Aktualisierung.
00:03:58: Hier gibt es ohnehin schon modulare Inhalte.
00:04:02: Nachlieferungen in kleinen Mengen sind echt prädestiniert für digitale Produktion.
00:04:10: Als nächstes hätten wir die Fachthemen mit unsicherer Nachfrage, also neue Nischenthemen oder sehr spezialisierte Inhalte.
00:04:19: Als nächstens könnte ich noch aufführen Nachdrucke.
00:04:22: Wenn wirklich eine Auflage im Offset ausverkauft ist aber noch Bedarf da ist kann ich mir kleinen digitalen Auflagen überbrücken bis eine Folgeauflage da ist.
00:04:34: Also ersetzt Print on demand nicht die erste Auflage sondern ergänzt sie?
00:04:39: Exakt Und das ist der entscheidende Punkt.
00:04:43: POD ist ein Baustein in einem Gesamtsystem.
00:04:47: Carsten, du hast vorhin schon gesagt es geht nicht um Einzelstücke.
00:04:51: was ist denn heute oder nicht nur um Einzelsstücke?
00:04:54: Was is denn heute realistisch?
00:04:57: Ja technisch und operativ ist da ganz viel möglich.
00:05:01: ich kann Broschuren ab Exemplar eins produzieren, machen Hardcover wirtschaftlich.
00:05:05: sinnvoll wird's aber eher im Bereich wo ich bündeln kann und wo ich bis zu zehn oder fünfzig Exemplare einer Auflage produzieren kann.
00:05:15: Das ist heute kein Spezialfall mehr, das ist Standard bei ganz vielen Anbietern am Markt und wir täten gut daran, dass auch zu nutzen.
00:05:23: Ist es denn auch in einer Qualität möglich die im Fachverlag bzw.
00:05:28: in Medienhäusern akzeptabel ist?
00:05:30: Absolut!
00:05:32: Gerade moderner Inkjetdruck, sowohl im Bogen als auch von der Rolle hat enorme Fortschritte gemacht.
00:05:38: Aber und das ist ganz wichtig die Frage ist nicht nur geht das sondern passt es zu dem Produktanspruch den man im entsprechenden Haus dann auch wirklich hat und denen es gilt für die Kunden zu treffen.
00:05:52: Wichtiger Punkt Carsten!
00:05:53: Dann lass uns jetzt genau darüber auch sprechen.
00:05:55: wo sind denn die Grenzen?
00:05:56: Wo siehst du die?
00:05:58: Die gibt es und die sollte man ganz klar benennen.
00:06:00: Wirtschaftlichkeit, gerade bei höheren Auflagen ab einer gewissen Menge wird der Offset da doch günstiger pro Stück.
00:06:08: Ausstattung, Veredelungen, Sonderfarben oder spezielle Materialien.
00:06:15: Da gibt's nach wie vor noch diverse Einschränkungen.
00:06:19: Da ist der Offsetdruck oft noch immer überlegen.
00:06:25: Ja, dann die Prozessstabilität bei größeren Volumen.
00:06:30: Da ist der Offset auch immer noch führend.
00:06:34: Also wenn ich tausende Exemplare brauche, die wirklich identisch sind, dann ist der Offsetdruck nach wie vor extrem effizient.
00:06:42: Okay also heißt das Print on Demand ist nicht automatisch besser sondern anders geeignet?
00:06:48: Ganz genau!
00:06:49: Und wer versucht alles in POD reinzupressen, der macht den gleichen Fehler, denen wir früher mit den Auflagenplanungen im Offset gemacht haben.
00:07:01: Was wäre dann aus deiner Sicht ja eine gute Strategie für Verlage?
00:07:06: Ich würde immer in den Hybridenmodellen denken.
00:07:11: als Beispiel eine erste Auflage im Offset wenn wirklich eine Nachfrage planbar ist.
00:07:17: danach wenn vielleicht die Erstauflage abverkauft in den POD wechseln oder kleine Auflagen im Digitaldruck produzieren für den Nachlauf.
00:07:29: Oder eine kleine Erstauflage an den Start bringen, testen und ja bei Erfolg dann wirklich Wechseln in den klassischen Offset Druck.
00:07:41: Ich glaube das Entscheidende da ist die Produktion wird wesentlich dynamischer als früher.
00:07:47: Früher war das statisch. Ich habe den Auftrag einmal in die Hand genommen, dann lag er auf Lager und gegebenenfalls habe ich die Hälfte weggeworfen, heute haben wir mehr Dynamik da drin.
00:07:58: Also du schaust dir den Lebenszyklus eines Titels an und steuerst ja im Grunde dran entlang?
00:08:05: Ganz genau!
00:08:07: Da ist eigentlich größte Veränderung in der Medienproduktion und wichtig ist da das Zusammenspiel auch von vielen Schnittstellen dass das auch funktionieren kann.
00:08:18: Du kasten ganz viele Infos, wenn du das jetzt in einem Satz zusammenfassen solltest.
00:08:23: Was ist Print On Demand für dich heute?
00:08:26: Print on Demand ist kein Ersatz für die klassischen Produktionswege sondern sie ist wirklich ein Schlüsselwerkzeug um Verfügbarkeit wirtschaftlich Nachhaltigkeit wirklich miteinander zu verbinden
00:08:37: und dann spielt er ja auch das Risikomanagement mit rein
00:08:41: absolut.
00:08:42: Du hast weniger Risiko, das Kapital wirklich in den Sand zu setzen.
00:08:47: Du hast wenig Verschwendung und du hast wesentlich mehr Flexibilität.
00:08:50: Du kannst besser reagieren und
00:08:52: agieren.".
00:08:53: Vielen Dank, Carsten für deine sehr klare Einordnung!
00:08:56: Sehr gerne.
00:09:00: Das war nachhaltig gedruckt – Impulse aus der Medienproduktion.
00:09:04: Dem Podcast für alle die Print neu denken wollen.
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